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familie und kernspaltung oder brokdorfer busendfreunde durch dick und dünn
familie und kernspaltung oder brokdorfer busendfreunde durch dick und dünn
Eine Ausstellung von Katharina Gschwendtner
Ort: 2 agenten, galerie für illustration
Dauer: 31. august – 30. oktober 2009
Kunsthistorisch gedacht besteht eine Verbindung von Hinterglasmalerei mit Votivmalerei aus dem süddeutschen oder niederösterreichischen Raum – auch Kandinsky und Franz Marc haben sich dieses Mediums bedient. Wie in den süddeutschen Barockkirchen, die für das norddeutsche Auge überladen wirken, findet sich auch in Gschwendtners Arbeiten häufig eine reiche Farbigkeit und ein fast wollüstiger Reichtum an Narrativem.
Diese Verbindung überrascht auch nicht weiter, betrachtet man den Werdegang der Künstlerin: In Nürnberg ist Katharina Gschwendtner aufgewachsen, dann hat sie von 1990-93 eine Ausbildung zur Holzbildhauerin in Garmisch-Partenkirchen gemacht, die folgenden drei Jahre studierte sie visuelle Kommunikation in Pforzheim und erst 1997 ging sie mit einem DAAD-Stipendium nach Athens, Georgia. Nach Hamburg zurück gekommen schließt sie ihr Studium in Kommunikationsdesign mit einem Diplom ab. Seit 2001 ist sie freischaffende Künstlerin und Illustratorin. Sie nimmt an einer ganzen Reihe von Ausstellungen teil. Resümee: gut zwei Drittel ihres Lebens hat sie in Süddeutschland gelebt, das muss ja prägen!
Doch dann schaut man genauer hin und merkt, dass dieser Schluss trotz dieser vermeintlichen „Beweise“ falsch ist. Eigentlich handelt es sich bei Gschwendtners Arbeiten ja gar nicht um Hinterglasmalerei, sondern um Hinterglaszeichnerei. Sie selbst sagt auch, sie hätte die Ausbildung zur Bildhauerin nur deshalb gemacht, weil der Zeichen-kurs so gut gewesen sei! Die Hinterglastechnik wird der Zeichnung besonders gerecht, denn so kann Gschwendtner sicher sein, dass die Zeichnung immer zuoberst liegt. Zuerst legt sie also die Arbeit in der Zeichnung seitenverkehrt an – von der nicht bemalten Vorderseite überprüft sie wiederholt das Ergebnis. Erst wenn die Zeichnung vollständig ist, beschäftigt sie sich mit der Farbgebung. Mit Farben stellt sie Ebenen her und bringt diese zusammen, stellt aber auch Bezüge zwischen den einzelnen Figuren dar.
Das aktuelle Ausstellungsthema der jungen Mutter ist ihre neue Familie. “Kernspaltung” wie sie es nennt und ein Leben in den verschiedenen Rollen: Künstlerin, Mutter, Brötchenverdienerin, Liebende, Partnerin, Managerin, Bordcomputer. Leben und leben lassen ist hierbei die Devise. Trotz Spannungen! Die Wahrnehmung der Welt aus der Sicht eines Kindes ohne jede Welterfahrung, im Lernprozess der Zusammenhänge, aus dessen Blickwinkel. Spielend verstehen. Einblick in das Private, die drei Hauptfiguren: Vater, Mutter, Kind.
Text: Kristine von Oehsen, 2006
Überarbeitung: Jörn Schwarz, 2009