Interview mit Anja Maria Eisen

Interview mit Anja Maria Eisen

27.03.2014 | 2014 | Interview | IO-News | Personen und Meinungen

Woran hast du gerade gearbeitet?

Gerade tauche ich aus einer Theaterproduktion auf, für die ich Bühne und Kostüme entworfen habe. Das Stück nennt sich „HEIMISCH“.
Wir haben in den Szenen mit einem Overheadprojektor, Markern und Scherenschnitten gearbeitet – in diesem Fall eher eine szenische als illustrative Herangehensweise.
Davor habe ich ein Kinderbuch von Rafik Shami illustriert, „Meister Marios Geschichte“, dessen Geschichte in der Welt des Marionettentheaters spielt. Da konnte ich aus meinen Erfahrungen am Puppentheater schöpfen. So vermischen sich  Theater und Illustration, es hat einen guten Schwung, wenn alles ineinander fliesst.

Im Moment entwerfe ich ein „optisches Spektakel“ für  die Staatliche Kunstsammlung Dresden. In den Museumsräumen werden großformatige Illustrationen den Rahmen für verschieden kleine Theaterszenen bilden.

Ausserdem gebe ich zwischendurch Workshops für Kinder und Jugendliche.
Dafür arbeite ich mit einer Autorin zusammen, so dass wir die Kids in Text und Illustration unterstützen können. Jedes mal sind wir beeindruckt und inspiriert von den phantastischen Welten und Wesen, die dabei entstehen.

Du bist Kinderbuchillustratorin, arbeitest aber auch für Magazine. Worin liegen für dich Unterschiede in der Arbeitsweise?

Eigentlich ist es anders herum.
Ich habe mit dem Illustrieren bei Zeitschriften begonnen und hatte schöne Projekte für die Kinderzeit und Geolino, parallel dazu habe ich auch für Erwachsene elektrische Zahnbürsten illustriert. Beides hat mir tolle Arbeitsfelder eröffnet.

Bei den Illustrationen für Magazine ist der Rahmen relativ eng und es kommt darauf an, die Informationen zu komprimieren. Bei meinem ersten Kinderbuch „Meister Marios Geschichte“ dagegen habe ich es sehr genossen, meiner Phantasie freien Lauf lassen zu können. Ich konnte meine Welt zu Rafik Shamis Geschichte üppiger ausbreiten.

Die Arbeit für Zeitschriften empfinde ich eher als rasant und pointiert, hingegen für Bücher und Geschichten ausschweifend und versponnen.

..ausserdem arbeitest du spannenderweise auch als Scenographin. Was ist das genau? Und wie kam es dazu? Beschreibst du uns den Arbeitsprozess?

Ausgegangen bin ich vom Theater, Scenograph ist also eine modernere Bezeichnung für Bühnen- und Kostümbildner.
Ich habe Bühnen- und Kostümbild studiert und dann an verschiedenen Theatern gearbeitet. Dort habe ich in Zusammenarbeit mit dem Regisseur das Konzept für die Ausstattung des Stückes entworfen und dann mit den verschiedenen Werkstätten (Plastiker, Gewandmeister, Maskenbildner…) des Theaters an der Umsetzung gearbeitet.
Man ist in diesem Beruf ein Vagabund und ständig unterwegs, da man in den seltensten Fällen dauerhaft an einem Theater arbeitet, sondern mit den Regisseuren von Haus zu Haus zieht.  Als ich dann sesshaft werden wollte, weil ich ein Nest für meine beiden Söhne und auch Zeit für die Familie brauchte, begann ich zu illustrieren.
Das habe ich sowieso schon als Scenographin gemacht: Um dem Regisseur die Bühnenentwürfe und Spielmöglichkeiten zu beschreiben, habe ich oft die Szenen eines Stückes durchgezeichnet – wie ein Storyboard.

Einfach war der Sprung in die Illu-Welt nicht, aber zum Glück hatte ich ein paar gute Freunde, die mich dazu ermutigt haben, mich bei verschiedenen Art Direktoren vorzustellen. Dann bin ich nach Hamburg gefahren, hatte ein paar tolle Tage in dieser schönen Stadt, nette Gespräche zwischen Tür und Angel und viel Glück, denn danach ging es los.

Abschliessende Frage: Wobei kannst du am Besten abschalten?

Beim Yoga und in der Pampa.
Danke dir, Anja Maria!

Anjas Maria Eisens IO Portfolio
www.anja-maria-eisen.de

Alle Bilder (außer HEIMISCH) zum Interview: Anja Maria Eisen  // Foto von Anja: Andreas Berner

Das Interview fuehrte Anne Quadflieg fuer die Illustratoren Organisation e.V.