
Die Internationale Jugendbiblithek in München zeigt noch bis zum 12. Mai 2011 die Ausstellung "Gestiefelte Kater, bebrillte Esel, beschirmte Krähen – Die fantastische Bilderwelt des Illustrators Klaus Ensikat".
Seinen ersten Erfolg feierte der 1937 in Berlin geborene Klaus Ensikat 1971 mit den Illustrationen zu J.R.R. Tolkiens „Der kleine Hobbit", für die er auf der Internationalen Kinderbuchmesse Bologna mit dem Premio Gráfico ausgezeichnet wurde. Seit dieser Zeit hat er rund 200 Werke der Weltliteratur, Märchen, Gedichte, Bilderbücher und Sachbücher illustriert. Viele davon wurden mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. 1996 erhielt er die Hans-Christian-Andersen-Medaille.
Weit über zwei Jahrzehnte prägte er die Bilderbuchillustration und Buchkunst der DDR. In den letzten zwei Jahrzehnten hat er seine Karriere als eigenwilliger, technisch brillanter, an der Tradition der frühneuzeitlichen Buchkunst und an der Technik der altdeutschen Kupfer und Holzstecher geschulten Illustrators fortgesetzt. Obwohl ein Außenseiter der Bilderbuchillustration, zählt er zu den bekanntesten und renommiertesten Illustratoren in Deutschland.
Das Liebliche, Expressive oder Weiche liegt ihm nicht. Mit skurrilen, hintersinnigen und manchmal auch melancholischen Illustrationen findet er immer wieder überraschende Bilder zu klassischen Texten. Sie zeigen anthropomorphe Tiere oder abenteuerliche Gestalten, die oft historisch kostümiert sind und absurd morbide Landschaften oder heruntergekommene Städte und ländliche Idyllen bevölkern.
Klassische Erzählstoffe sind für Ensikats Illustrationsstil wie geschaffen. Die Liste der Autoren und Klassiker, der er illustriert hat, ist lang: Charles Dickens „Oliver Twist", Mark Twains „Leben auf dem Mississippi" und „Huckleberry Finns Abenteuer", J. F. Coopers „Wildtöter" Lewis Carrolls „Alice im Wunderland" E.T.A. Hofmanns „Klein Zaches", Gogols „Der Mantel" , Goethes „Faust" oder Schillers „Wilhelm Tell" sind nur einige. Ensikat hat die Märchen der Brüder Grimm und Charles Perraults und das Alte Testament illustriert sowie Gedichtbände gestaltet, etwa Kinderlieder von Hoffmann von Fallersleben oder Gedichte von Wilhelm Busch.
Besonders hervorzuheben sind die Bilderbücher, die im Altberliner Verlag erschienen sind: „Die Hochzeit des Pfaus" (1972), „Kieselchen" (1976), „Die Geschichte von den vier kleinen Kindern, die rund um die Welt zogen" (1992) und „Die Bremer Stadtmusikanten" (1994). Klaus Ensikat hat für jedes dieser Bücher ein aufwendiges Gestaltungskonzept entwickelt und den von ihm handschriftlich niedergeschriebenen Text und die Bilder als ästhetische Einheit gestaltet. Schrift und Typografie sind Elemente, die in vielen Büchern des Illustrators eine Rolle spielen. Abblätternde Reklametexte oder Plakate, Zeitungen, Briefe, handschriftliche Überschriften: Ensikat setzt Schriften, Buchstaben oder Zahlen als Stilmittel ein, die dezent Zeitbezüge herstellen. Dabei knüpft er an die Tradition der Buchkunst der frühen Neuzeit an, in der sich Illustration und Text stark aufeinander bezogen. So findet man bei Ensikat immer wieder bildnerische Zitate aus der enzyklopädischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts. Das gilt beispielsweise für seine sachlichen Illustrationen zu Herman Melvilles „Taipi. Abenteuer in der Südsee" (1978) oder für den 2006 erschienen Band „Brehms Tierleben" von Roger Willemsen.
Der Illustrator überrascht seine Leser immer wieder. Für die erfolgreiche Sachbuch-Reihe „Die Kinder-Uni", erschienen ab 2003, hat er teilweise verrückte, die sachliche Illustration unterwandernde und ironisierende Bilder gemacht. Das Bizarre und Skurrile dieser Bilder zeigt: Nicht alles in der Welt des Wissens ist erklärlich, schon gar nicht im Bildkosmos eines Klaus Ensikat.
Informationen zur Ausstellung: www.ijb.de