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© Christoph Hoppenbrock
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Wie beginnen

Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit stellen sich viele Fragen. Ab wann muss ich mich wo anmelden? Brauche ich einen Businessplan? Was macht eine Berufsgenossenschaft? Die IO gibt auch hier Starthilfe für Berufsanfänger*innen. Wie wir Sie dabei unterstützen können? Mit Informationen zur Gründung, notwendigen und empfohlenen Anmeldungen und unserem Mentoring-Angebot.

Der erste Schritt als Illustrator*in

Der offizielle Start beginnt auf dem Finanzamt

Spätestens vier Wochen nach Aufnahme Ihrer selbständigen Tätigkeit ist eine Anmeldung bei Ihrem örtlichen Finanzamt erforderlich. Damit erhalten Sie Ihre Steuernummer, die – im Gegensatz zu Ihrer privaten Steuer-ID – direkt an Ihre selbständige Tätigkeit geknüpft ist. Diesen wird im Impressum auf der eigenen Website und in Ihren Rechnungen aufgenommen. Falls Sie Geschäfte mit Auftraggebern im EU-Ausland tätigen, beantragen Sie außerdem eine Umsatzsteueridentifikationsnummer (UID-Nr.).

Als Illustrator*in sind Sie Freiberufler, denn Sie erstellen künstlerische Leistungen auf Basis besonderer Fähigkeiten. Auch der Verkauf selbstgeschaffener Kunstwerke und Bücher im Eigenverlag zählt zur freiberuflichen Tätigkeit.

Auch wenn eine Unternehmensgründung zunächst als gewaltige Aufgabe erscheint, zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass alles gut zu bewältigen ist. Wir empfehlen Ihnen, gleich zu Beginn ein Gründungskonzept zu erstellen. Es dient der eigenen Strukturierung und ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen, einen Gründungszuschuss bei der Agentur für Arbeit zu beantragen.

Für einen solchen Antrag muss ein Businessplan vorgelegt werden, der von einer fachkundigen und autorisierten Stelle, wie der Illustratoren Organisation, geprüft und abgezeichnet werden muss. Für unsere Mitglieder übernehmen wird das kostenlos und stellen ihnen zudem eine mit Tipps zur Erstellung zur Verfügung.

Der Gründungszuschuss ist eine Leistung nach § 93 Sozialgesetzbuch III und wird für Gründerinnen und Gründer zur Verfügung gestellt, die mit der geförderten hauptberuflichen Selbständigkeit ihre Arbeitslosigkeit beenden. Als hauptberuflich wird jede Tätigkeit ab 15 Stunden pro Woche angesehen. Der jeweilige Antrag ist vor Beginn der hauptberuflichen Selbständigkeit bei der entsprechenden Agentur für Arbeit zu stellen. Eine Förderung mit dem Gründungszuschuss ist auch möglich, wenn eine nebenberufliche selbständige Tätigkeit in eine hauptberufliche aufgewertet wird.

  • Sie müssen mindestens einen Tag arbeitslos sein und einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben.
  • Zum Zeitpunkt der Gründung muss noch ein Restanspruch von mindestens 150 Tagen auf das Arbeitslosengeld I bestehen.
  • Bei der angestrebten Gründung muss es sich um eine Selbstständigkeit im Haupterwerb handeln. Der Umfang dieser Tätigkeit muss somit mindestens 15 Stunden pro Woche betragen.
  • Sie müssen bei der Agentur für Arbeit Ihre persönlichen und fachlichen Fähigkeiten nachweisen.
  • Um zu gewährleisten, dass Ihre Selbstständigkeit dauerhaft wirtschaftlich tragfähig ist, muss ein Businessplan erstellt werden, dessen »Tragfähigkeit« von einer fachkundigen Stelle mit einer Stellungnahme bestätigt werden muss.

Auch wenn alle Voraussetzungen für den Gründungszuschuss erfüllt sind, hat der Gründer hierauf keinen Rechtsanspruch. Die Entscheidung über die Bewilligung liegt beim jeweiligen Sachbearbeiter. Die Bezugsdauer des Gründungszuschusses besteht grundsätzlich aus zwei Phasen:

Phase 1
In den ersten sechs Monaten kann man den Gründungszuschuss in Höhe des gewährten Arbeitslosengeldes I zuzüglich 300 Euro zur sozialen Absicherung erhalten.

Phase 2
Die Förderung kann auf Antrag um weitere neun Monate verlängert werden. In diesem Fall werden 300 Euro zur sozialen Absicherung gezahlt.

Jetzt, da Sie Ihr Unternehmen offiziell gegründet haben, stehen im nächsten Schritt die Anmeldungen beim Versorgungswerk und der Künstlersozialkasse an. Und nachfolgend dann endlich Ihre Vorbereitungen zur eigenen Aufstellung und Kundenakquise bevor Sie mittendrin stehen in Angeboten, Verhandlungen und Abstimmungen. Im Tagewerk Illustration ist alles Wissenswerte zusammengefasst, um Sie damit durch alle Bereiche Ihres neuen Berufes zu begleiten.

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Sicher aufstellen und vorsorgen

Alle wichtigen Absicherungen für den freien künstlerischen Beruf

Die Künstlersozialkasse (KSK)

Sozialen Schutz in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung bietet die Künstlersozialkasse (KSK). Freiberufler wie Künstler*innen und Publizist*innen werden über die Künstlersozialversicherung in die gesetzliche Sozialversicherung integriert. Sie ist somit eine Pflichtversicherung für selbständige Künstler*innen – und ein großes Plus.

Als Versicherte*r zahlen Sie – wie Arbeitsnehmer – nur etwa die Hälfte der Versicherungsbeiträge, die andere Hälfte trägt die KSK. Voraussetzung für eine Mitgliedschaft ist eine auf Dauer angelegte, selbständig künstlerische Tätigkeit. In unserem Infoblatt haben wir alle relevanten Informationen für Sie zusammengestellt.

Die Berufsgenossenschaft ETEM

Während Arbeitnehmer über ihren Arbeitgeber berufsunfallversichert sind, müssen sich Freiberufler*innen bei einer Berufsgenossenschaft eintragen. Die Berufsgenossenschaft ETEM (BG ETEM) ist der Unfall-Versicherungsträger für verschiedene Unternehmenszweige, darunter auch für Illustrator*innen. Eine Mitgliedschaft ist dort Pflicht und sollte etwa eine Woche nach Tätigkeitsaufnahme erfolgen.

Da die Versicherung nicht nur Berufsunfälle und -krankheiten abdeckt, sondern auch Unfälle auf dienstlichen Fahrten in den Deckungsschutz einfließen, ist die Relevanz nicht zu unterschätzen. Unser BG ETEM Infoblatt gibt hierzu eine prägnante Zusammenfassung zu Mitgliedschaft, Leistungen und Kosten.

Die Verwertungsgesellschaft VG Bild-Kunst (VG Bild-Kunst)

Ihre Illustrationen finden in privaten Bereichen Anwendung, auf die Sie selbst keinen Einfluss haben. Hier übernimmt die VG Bild-Kunst für Sie. Durch den Abschluss eines Wahrnehmungsvertrages treten Sie dort der Berufsgruppe II bei und übertragen damit das Recht gesetzliche Vergütungsansprüche für Sie wahrzunehmen. Wohlgemerkt übertragen sie dabei nur Rechte und Ansprüche auf die VG Bild-Kunst, die Sie selbst nicht wahrnehmen können.

Die Mitgliedschaft selbst ist kostenlos und für jeden Kreativschaffenden von unbedingtem Vorteil. Sie verursacht keine Kosten, bringt aber zusätzliche Einnahmen. Selbst, wenn Sie nur gelegentlich Werke veröffentlichen, sollten Sie Mitglied werden. In unserer VG Bild-Kunst Zusammenfassung finden Sie die wichtigsten Infos zu Anmeldung. Vorgehensweise und Mitgliedschaft.

Wie könnten wir anders als auch eine Mitgliedschaft in IO zu empfehlen. Sie erhalten damit nicht nur Unterstützung in Form einer integrierten Rechtsschutzversicherung und kostenfreier Rechts- und Steuerberatung, sondern auch den für uns Einzelkämpfer wichtigen Austausch und Vernetzung. Unsere Leistungen im Überblick in der IO Imagebroschüre.
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Unterstützung und Orientierung

Erfahrungen und Tipps von Illustrator*innen für Illustrator*innen

Das außergewöhnliche Engagement erfahrener Mitglieder ermöglicht uns, ein Mentoring-Programm für Berufseinsteigende anzubieten. Jeweils im Mai und November haben IO-Mitglieder die Möglichkeit, sich für eine Teilnahme zu bewerben. Die Auswahl unter den Einreichungen erfolgt nach Kapazität und Abdeckung im gewünschten Einsatzbereich. Da es sich um keine Verbandsleistung handelt, sondern auf dem ehrenamtlichen Einsatz Einzelner basiert, besteht kein Anspruch auf eine Teilnahme.

Berufserfahrene Mentor*innen aus den verschiedenen Einsatzgebieten nehmen sich jeweils eines Mentees an und begleiten diesen über ein halbes Jahr mit praktischen Tipps und Hilfestellungen. Der genaue Turnus und die Form der Abstimmung werden individuell zwischen Mentor*in und Mentee abgestimmt. In regelmäßigen Abständen finden zudem Video-Calls für alle Mentees statt, in dessen Rahmen allgemeine Fragen und Anregungen in großer Runde besprochen werden können.

Bewerbungsfrist

Eine Bewerbung für das Mentorenprogramm ist zweimal im Jahr möglich:

  • 01. – 31. Mai für das 2. Halbjahr des gleichen Jahres
  • 01. – 30. November für das 1. Halbjahr des Folgejahres

Jeweils im Folgemonat (Juni oder Dezember) erhalten die ausgewählten Bewerber*innen ihre Zusage, zusammen mit der Vorstellung ihres persönlichen Mentors/der Mentorin für das kommende Halbjahr.

Aufgrund des begrenzten Angebots bitten wir um Verständnis, dass Nicht-Mitglieder in dem Programm nicht berücksichtigt werden können. Diese haben die Möglichkeit, ab Juli an unseren monatlichen Online-Stammtischen teilzunehmen, auf denen mit Impulsvortrag und anschließender FAQ-Runde immer ein anderer Aspekt unseres Berufs behandelt wird. Die Termine werden in unseren Terminen auf der Website und auf unserer Facebook-Seite bekanntgegeben.

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei allen Mentoren und Mentorinnen für ihren Einsatz bedanken!