Gewerkschaft für Illustrator*innen in der Schweiz

Gewerkschaft für Illustrator*innen in der Schweiz

21.01.2021 | IO und Partner | IO-News

Ein Berufsverband für Illustrator*innen existierte in der Schweiz bisher nicht, der Austausch fand im privaten Netzwerk statt oder via IO, von deren Angebot Illustrator*innen aus der Deutschschweiz schon lange profitieren können. Die Rechtslage, insbesondere das Urheberrecht und viele Rahmenbedingungen rund um die Selbstständigkeit, sind in der Schweiz aber anders geregelt als in Deutschland. Als IO-Mitglied kannte ich das deutsche Urheberrecht und die deutsche Berufspraxis lange vorher, weil es für den Schweizer Markt einfach kein entsprechendes Angebot gab. Mehrere Landessprachen erschweren zudem die nationale Vernetzung. Deshalb hat sich vor einem Jahr eine engagierte Gruppe von Illustrator*innen zusammengetan und sich der Gewerkschaft syndicom angeschlossen. Im November wurde die „Gewerkschaft für Illustrator*innen“ bei der syndicom offiziell lanciert. Warum bei dieser Gewerkschaft? Die syndicom besitzt große Erfahrung in der politischen Arbeit und hat sich in den letzten Jahren vermehrt auch für Selbstständige in kreativen Branchen eingesetzt. Zuletzt im Lockdown, als sie sich – wie auch die IO in Deutschland – mit anderen Gewerkschaften, Parteien und Berufsverbänden erfolgreich für die Corona-Ersatzzahlungen stark gemacht hat.

Das Angebot der syndicom umfasst einen Rechtsdienst, Übersetzungen in drei Landessprachen und ein breites Bildungsangebot. Die Mitglieder profitieren von einer mehrstufigen Rechtsberatung, vergünstigten Kollektivversicherungen und der Möglichkeit, sich einer Pensionskasse anzuschließen. Die Kerngruppe Illustration stellt intern ein Starter-Kit zur Verfügung, das den Berufseinstieg erleichtert und den Weg in eine nachhaltige Selbstständigkeit ebnet.

Die bereits bestehende Website www.howthef.ch wurde überarbeitet und ist für alle öffentlich zugänglich. Für die Zukunft sind weitere Angebote hinsichtlich Vernetzung, Weiterbildung und Beratung rund um illu-spezifische Fragen geplant. Die Mitgliedschaft ist offen für alle Illustrator*innen, die in der Schweiz tätig sind (Nationalität und Wohnort spielen dabei keine Rolle). Die Mitgliedsbeiträge sind nach Einkommen gestaffelt, mit Sonderkonditionen für Auszubildende und Rentner*innen. Die syndicom berät und unterstützt beim Arbeiten unter Schweizer Recht. Wir sehen uns also als Ergänzung zum Angebot der IO, die ihrerseits für Schweizer Illustrator*innen bereichernd ist, die in Deutschland tätig sind.

Schweizer Illustrator*innen können weiter vom Angebot der IO hinsichtlich Verträgen und Beratung im deutschen Raum profitieren und mit ihrem IO-Portfolio und der Postkartenaktion im großen Markt und bei internationalen Messen präsent sein. Hilfestellungen zu grenzüberschreitenden Tätigkeiten (z. B. hinsichtlich MwSt. oder Meldungen bei der VG Bild-Kunst/Pro Litteris) könnten gemeinsam erarbeitet werden. Wir von syndicom wollen, dass Selbstständige und Urheber*innen angemessen entlohnt werden – politische Synergien und gemeinsame Ziele mit europäischen Berufsverbänden sind deshalb sinnvoll.

Auch im deutschsprachigen Raum wird oft länderübergreifend gearbeitet– bei der syndicom haben wir deshalb die Nutzungsfaktoren der IO als Empfehlung übernommen. Außerdem möchten wir bessere Standardverträge mit Schweizer Verlagen aushandeln (die oft in beiden Ländern tätig sind) und auch hierzulande auf unfaire Wettbewerbe hinweisen.

Wir sind überzeugt, dass wir uns für eine nachhaltige Illustrationsbranche gemeinsam organisieren müssen. Nur so werden wir nicht gegeneinander ausgespielt und können unsere Rechte angemessen vertreten. Wir freuen uns auf den weiteren Austausch und Zusammenarbeit mit der Illustratoren Organisation!

https://howthef.ch/ (öffentlich)
https://syndicom.ch/illustration (Mitglied werden und Angebot)
https://syndicom.ch/illumitglieder (Wer wir sind, was wir machen)

Rina Jost

Illustration: Simon Kiener